Jahresrückblick, linksversifft, selfcare

Im Jahr des Fokus…

Das Ding mit den Jahresrückblicken ist immer so ’ne Sache. Will man total ehrlich sein und sich nackig machen vor anderen Menschen oder versucht man es im „Alles war so cozy“-Instagram-Style.

Um mich besser entscheiden zu können, prokrastiniere ich mal kurz und höre nach Ewigkeiten wieder Radio Fritz. Chris morderiert die Silvestersendung und ich kann gar nicht aufhören zu lächeln als ich seine Stimme höre. Also doch nackig machen. Chris war der Frontman von der ersten Band, über die ich mal einen Zeitungsartikel geschrieben habe. Und wir hatten einen gemeinsamen Freund. Hatten. 2017 habe ich es das erste Mal nach 7 Jahren geschafft ihn auf dem Friedhof in Höhenschönhausen zu besuchen. Next step: Für 2018 steht dann auf dem Plan Pankow nicht mehr zu dämonisieren. Nur weil Menschen, die wir mal sehr lieb hatten, nicht mehr hier sind, ist die Straße nicht verflucht, in der sie mal gewohnt und gearbeitet haben. Florastraße, das wird mit uns beiden. Das wird…

Ich musste aber nicht nur an Menschen denken, die nicht mehr da sind, sondern dürfte auch ein paar gute Momente (mit tollen Menschen) erleben:

*spontan in Frankfurt am Main zwei Workshops machen & einen sehr tollen Menschen aus meiner Hopo-Zeit in CB wiedersehen *das erste Mal als „ich“ angefragt wurde als Referentin, ganz ohne irgendeinen wichtigen Posten zu haben, einfach nur weil ich eine Feministin bin *auf dem Podium der Eröffnungsveranstaltung der Brandenburger Frauenwoche gefeiert werden * wiedergewählt werden als Frauenbeauftragte *Embrace sehen und so vieles verstehen *das erste Mal Fashion Week und das 2. Mal Hamburg mit den Plussize Fashion Days *ich dürfte Tess Holliday treffen *ich habe viele sehr coole Projekttage mit Azubis gehabt *neue „Vorgesetze“ bekommen, die mehr Freund*in und Kolleg*in sind, als Chef*in *ein richtig guter P-tagabend mit zu viel Wein, aber den wichtigsten Bartträgern überhaupt *Maja-Essendates mit Jammern-dürfen-Erlaubnis gehabt *DB Statuspunkte auf den Kopf hauen und zu Menschen fahren, die Wohlfühlort sind *unfassbar bewegende One World Poetry Nights *feministische Sushiabende *Jobangebote ganz unverhofft bekommen und so vieles mehr….

„Gerettet“ hat mich dieses Jahr wohl das Trainerin werden. Ich hab so unfassbar tolle Menschen kennengelernt in Hattingen und Naumburg. Gerade tolle Menschen, weil ich auch so abgrundtiefe Niedertracht erleben musste. Menschen, die ich jahrelang in den Himmel gelobt habe, die aber so unfassbar bösartig waren als sie ihr wahres Gesicht gezeigt haben. Menschen, die mich absichtlich klein gemacht haben. Mir einredeten, ich sei ein Nichts und meine jahrelange (politische) Arbeit sei nutzlos gewesen. Ich bin nutzlos. Das stimmt nicht. Aber für einen Moment habe ich es geglaubt und Göttin sei Dank gab es Menschen in Naumburg, die mich für verrückt hielten, weil ich den Worten Glauben schenkte. Ich kann was und ich darf mich nicht durch so viel Boshaftigkeit klein machen lassen. Aber daran musste ich erst erinnert werden.

2017 stand unterm dem Wort Fokus. Den Fokus darauf legen, dass es besser werden muss. In mir drinnen. Ich habe gelernt, dass es ok ist, sich auch mal selbst leid zu tun. Manchmal gibt es eben keine schönen Kapitel im Leben. Und manchmal ziehen sich diese unschönen Kapitel auch durch dein ganzes Leben, wie ein roter Faden. Und dann ist es ok, deswegen auch mal traurig und unglücklich zu sein. Ich habe zum Geburtstag einen Gutschein bekommen und in der Glückwunschkarte dazu stand „von deinem größten Fan Nummer 1“. Ich habe versucht mich daran zu erinnern, wie oft ich 2017 meinen größten Fan getroffen habe. Vielleicht ein Mal? Vielleicht auch zwei Mal? Vielleicht auch gar nicht. Tendenz zu eher gar nicht. Wenn ich etwas „Gutes“ daraus gelernt habe, dann dass ich mich darauf fokussiert habe, nicht mehr nach dem „Warum“ zu fragen. Ich habe nichts falsch gemacht. Es ist nicht meine Verantwortung, wenn er eine „gute“ Vater-Tochter-Beziehung so definiert. Er hat sich dazu entschieden und verschwindet damit aus meinem Fokus. Das hat er schon vor Jahren getan, aber 2017 habe ich es erst verstanden. Das ist eine gute Erkenntnis, auch wenn sie sehr schmerzhaft klingt.

Von Fokus geht es zu Future. Ich will 2018 mehr Babyboyerlebnisse haben, bevor er plötzlich nicht nur laufen kann, sondern sein Abitur macht 😀 Ich will die tollen Menschen, die ich 2017 kennengelernt habe, noch öfter sehen in 2018 (Januar, du wirst großartig!). Ich will mich nicht klein machen lassen von Menschen, die es ok finden „Genderideologie“ oder das „N-Wort“ in Gewerkschaftshäusern zu brüllen oder von Menschen, die mir erklären, dass fat sein oder psychisch krank sein oder im zweistelligen Semesterbereich studieren nicht akzeptabel ist. Chill mal deine Base! In Cottbus hat jede*r Vierte die AfD gewählt, in Sachsen jede*r Zweite. Das sollte dein Problem sein.

2018, ich glaub an Dich. Das wird futuristisch mit uns.

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